MUTHSPIEL & MUTHSPIEL
Wolfgang Muthspiel - guitars, violin, live-electronics
Christian Muthspiel - trombone, piano, live-electronics
1982 fand mit einem Konzert in der Scheune eines oberösterreichischen Vierkanthofes das erste Konzert des Brüderpaares Wolfgang (*1965) und Christian (*1962) Muthspiel, statt. Wolfgang war damals 17 und Christian 19 Jahre alt und beide hatten bereits eine für dieses Alter lange musikalische Geschichte hinter sich. Musik war im Elternhaus das Thema Nummer 1 gewesen, der Vater Chorleiter, die Mutter Sängerin in eben diesem Chor, alle Geschwister (es gibt noch eine Schwester und einen Bruder) spielten Instrumente, Wolfgang und Christian gewannen diverse Wettbewerbe und strebten zunächst den "klassischen" Weg an. Nach Jahren des Klavierspiels nahm Christian mit elf Jahren die Posaune dazu, Wolfgang wechselte mit 14 von der Violine zur Gitarre. Also spielte man 1982 dieses erste Konzert, dem einige Jahre der intensiven Duo-Arbeit folgten, welche zum Ziel hatten, der bislang in der improvisierten Musik nicht vorhandenen Besetzung Gitarre und Posaune/Klavier eigenständiges musikalisches Leben einzuhauchen.
Nach vielen weiteren Duo-Konzerten fand 1986 mit dem Festivalauftritt in Hollabrunn und der gleichzeitigen Einspielung der ersten Duo-LP "Schneetanz" ein erster Höhepunkt in der Zusammenarbeit der beiden Brüder statt. Die LP stieß auf großes Interesse und trug dazu bei, im darauffolgenden Jahr 1987 mit mehr als 40 Konzerten in Europa, Nordafrika und den USA eine rege Konzerttätigkeit des Muthspiel-Duos voranzutreiben.
Da Wolfgang Ende 1986 nach Boston/MA übersiedelte, um dort zuerst am New England Conservatory und danach am Berklee College of Music zu studieren, wich die bislang kontinuierliche Duo-Arbeit einer blockweisen Form, die immer mehr konzentrierte, gemeinsame Projekte, abgelöst durch getrennte Aktivitäten der beiden Musiker, hervorbrachte. So wurde 1987 die CD "DUO DUE focus it" für PolyGram produziert und 1989 mit der CD "DUO DUE TRE" die vorläufig letzte gemeinsame CD der Brüder live eingespielt.
In der Zwischenzeit wurde Wolfgang in Boston vom weltberühmten Vibraphonisten Gary Burton für dessen Quintett engagiert und nahm somit den seit Jahren vakanten Gitarren-Platz von Pat Metheny ein. Mit dem Gary Burton Quintet spielte Wolfgang drei Jahre lang kontinuierlich in den USA, Europa, Japan und Südamerika und nahm CDs für GRP und Antilles auf. 1989 folgte Wolfgangs erste CD-Produktion "Timezones" als Bandleader mit dem Wolfgang Muthspiel Trio, und diese Produktion legte den Grundstein für eine weltweit beachtete internationale Karriere als Jazzgitarrist. Es folgte die CD "The Promise" mit Bob Berg, Richie Beirach, John Patitucci und Peter Erskine 1991, die Wolfgang endgültig in den USA etablierte und die CD "Black and Blue" folgen ließ, auf welcher Wolfgang zu seinem eigenen Quartett die Gäste Tom Harrell und Don Alias einlud. Weitere Konzerte führten Wolfgang rund um den Globus, und er spielte unter anderem mit Marc Johnson, Paul Motian, David Liebman, Mick Goodrick in diversen Besetzungen sowohl als Leader als auch als Sideman, wie z.B. in Paul Motians "Electric Bebop Band" oder Marc Johnsons "Right Brain Patrol". Der CD "In And Out", live im New Yorker "Sweet Basil" 1994 aufgenommen, folgte "Loaded Like New" im Trio mit Tony Scherr (b) und Kenny Wollesen (dr) 1995. Nach einer ausgedehnten Europa-Tournee im Trio mit Paul Motian und Marc Johnson spielte Wolfgang mit ebendieser Besetzung 1996 seine bislang letzte CD "Perspective" ein.
Desweiteren komponiert Wolfgang regelmäßig für verschiedenste Ensembles, bringt beim Verlag "Doblinger" eine Serie zeitgenössischer Gitarrenliteratur heraus und betätigt sich als Produzent diverser CDs. Tourneen und Plattenaufnahmen mit Maria Joao, Trilok Gurtu, Dieter Ilg, dem eigenen Soloprogramm (u.a. in der Staatsoper Wien) und verschiedentlichen internationalen Projekten bestimmen die Jahre 1997 und 1998, in denen auch ein Solo-Sampler bei PolyGram ("Work in Progress"), eine CD mit Paul Motian, eine CD mit Maria Joao und der Gewinn des Hans-Koller-Jazzpreises 1997 als "Musiker des Jahres" äußere Erfolge von Wolfgangs Arbeit darstellen.
Während also Wolfgang als Jazzgitarrist auf den großen Festivals von Tokyo bis Paris vertreten war, wendete sich Christian in selbiger Zeit immer mehr der zeitgenössischen Komposition zu. Nach einigen Arbeiten im Bereich der Kammermusik folgten Aufträge für verschiedene Ensembles und Orchester, Theaterhäuser und Festivals zeitgenössischer Musik. Werke für Chor, Flötenquartett, Klaviertrio, Streichorchester und Bläserensemble enstanden in den frühen 90er Jahren genauso wie ein einstündiges Werk für DUO DUE und Streichorchester für den "steirischen herbst". Die Arbeit an grenzüberschreitenden Projekten, an der Verschmelzung komponierter und improvisierter Musik wurde zu einem Schwerpunkt in Christians musikalischem Handeln. 1994/95 folgten die Uraufführung seiner Kammeroper "GENESIS:Zeiten/Plätze..." am Landestheater Innsbruck (er selbst dirigierte alle Vorstellungen) und die Uraufführung des Konzertes für Violine und Orchester durch Benjamin Schmid mit dem Mozarteumorchester Salzburg im großen Festspielhaus. Weitere Kompositionsaufträge mündeten 1997 in die Uraufführung eines Klavierkonzertes durch den Solisten Thomas Larcher, ebenfalls vom Mozarteum Orchester Salzburg begleitet, in Projekte mit dem Klangforum Wien, wobei Christian seine Werke selbst dirigierte, in eine Produktion des Violinkonzertes mit dem Radio Symphonie Orchester Wien und in großbesetzte Projekte für das Barockfest St. Pölten und den "steirischen herbst" 1998. Als eigenes großes Jazzensemble gründete Christian 1990 das "Octet Ost", in welchem neben ihm ausschließlich Musiker aus Ländern des ehemaligen Ostblocks spielten. In den vier Jahren des Bestehens dieses Ensembles, das immer wieder durch Umbesetzungen neue Gesichter aus dem Osten im "Westen" präsentierte, nahmen MusikerInnen aus Ungarn, der Slowakei, Tschechien, der (ex)DDR, Rußland, Rumänien, Bulgarien, Polen und Litauen teil und spielten Christians Kompositionen auf zwei OCTET OST-CDs und in vielen Konzerten in Ost-und Westeuropa. Christians zweite große Band "Motley Mothertongue", als 10köpfiges Ensemble für das Jazzfestival Saalfelden 1995 ins Leben gerufen, vereint einige langjährige Weggefährten aus verschiedensten Projekten zu einem neuen, grenzüberschreitenden Klangkörper, dem unter anderem DK Dyson, Anna Hauf, Benjamin Schmid, Wolfgang Muthspiel oder Tom Rainey angehören. Seit 1995 ist Christian außerdem fixes Mitglied des "Vienna Art Orchestra" und mit diesem mehrere Monate jährlich auf Tournee. Für die Saisonen 1999/2000 und 2000/2001 ist Christian "artist in residence" am Brucknerhaus Linz und dort mit einer eigenen Serie unterschiedlichster Projekte (u.a. mit Kurt Ostbahn, Klangforum Wien, Brucknerorchester Linz) als Komponist, Instrumentalist und Dirigent vertreten.
Während dieser zahlreichen getrennten Aktivitäten Wolfgangs und Christians steht das Duo Wolfgang & Christian Muthspiel jedoch keinesfalls still: Neben permanenter Konzerttätigkeit in Europa und den USA waren einige spezielle gemeinsame Projekte Höhepunkte der Duo-Arbeit. Beim renommierten Festival "Wien Modern 1992" gestaltete das Duo die Uraufführung des Zyklus "Poetics" von Roman Haubenstock-Ramati und führte das Konzert mit eigenen Werken zu Bildern des amerikanischem Malers Cy Twombly fort. Im Jahr darauf veranstaltete das Wiener Konzerthaus ein dreitägiges Muthspiel&Muthspiel-Festival, welches an drei Abenden die verschiedenen Aspekte der musikalischen Arbeit Wolfgangs und Christians ausleuchtete. Am ersten Abend wurden Kammermusikwerke der beiden uraufgeführt (gemeinsam mit dem Ensemble wien 2001 und Ernst Kovacic), am zweiten Abend spielte das Duoein neues Programm mit Gitarre, Klavier, Posaune, Computer, Tonbändern, Elektronik und Midi-Violine, und das letzte Konzert fand im Quartett mit den weltbekannten amerikanischen Musikern Gary Peacock (b) und Paul Motian (dr) statt. Mit diesem Quartett wurde auch eine Tournee unternommen und die CD "Muthspiel-Peacock-Muthspiel-Motian" eingespielt. Eine weitere Kooperation stellte 1997 das Projekt "Sensitive Dialogues" dar, bei welchem das Klangforum Wien unter Christians Leitung Wolfgangs "Die Wasserfälle von Slunj" für Dave Liebman und Ensemble und Christians "Leichtvergängliche Waren" für Sopran (C.Hosp) und Ensemble neben D.Milhauds "La creation du monde" uraufführte. Das selbe Programm folgt 1998 beim Brucknerfest Linz und den Klangspuren Schwaz. Eine Tournee zum 15-jährigen Jubiläum im Herbst 1997, die Veröffentlichung der Duo-CD "CY", auf welcher ausschließlich Vertonungen von Malereien Cy Twomblys zu hören sind, sowie die Eröffnung des EBU-Jazzfestivals in Wien 1998 und Konzerte in Paris (Radio France) und beim Jazzfestival in Nimes stellen die vorläufig letzten Stationen des Muthspiel&Muthspiel-Duos dar.
Für beide ist dieses Duo, die brüderliche Zusammenarbeit, neben all den eigenen, "getrennten" Projekten nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich ein äußerst wichtiger Platz, eine gemeinsame Welt, eine Basis zur Weiterentwicklung und zugleich die intimste, vertrauteste Art des Musizierens.
Discographie (Auszug)
MUTHSPIEL & MUTHSPIEL:
WOLFGANG MUTHSPIEL (as a leader):
CHRISTIAN MUTHSPIEL (as a leader):
Österreichische Zeitungen über Muthspiel&Muthspiel
Der Standard
Die Presse
Kronen Zeitung
Salzburger Nachrichten
Kleine Zeitung
Der Falter
Concerto